Sklavenarbeit für Grillkohle – Die dunkle Seite der kubanischen Marabú-Holzkohle

Während in Europa jedes Jahr Millionen Tonnen Holzkohle verbrannt werden, stammt ein Teil davon aus einer Quelle, die kaum jemand hinterfragt: aus kubanischen Gefängnissen. Ein aktueller Bericht der Menschenrechtsorganisation Prisoners Defenders („Das Gefängnisgeschäft Kubas: 60.000 Gefangene werden als Sklavenarbeiter eingesetzt“, September 2025) deckt auf, dass zehntausende Häftlinge auf der Insel unter sklavenähnlichen Bedingungen Holzkohle produzieren – ein Exportschlager, der besonders in Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und der Türkei landen.

Kohle statt Freiheit

Laut dem Bericht sind über 60.000 Gefangene in Kuba zur Arbeit gezwungen – viele davon in der Herstellung von Marabú-Holzkohle, einer besonders harten Akazienart, die sich wegen ihres hohen Brennwerts im europäischen Grillmarkt großer Beliebtheit erfreut. Die Gefangenen müssen unter extremen Bedingungen arbeiten: ohne Schutzkleidung, ohne medizinische Versorgung, oft bei Temperaturen über 35 °C.

Ein ehemaliger Häftling berichtet:

„Wir mussten Marabú schneiden, Feuer machen, um Holzkohle zu produzieren, und täglich 50 Säcke verpacken. Wer das Ziel nicht erreichte, musste länger arbeiten.“

Die Bezahlung liegt laut Bericht bei 34 bis 62 Cent pro Tonne – ein Hungerlohn, der auf etwa 0,009 US-Dollar pro 15-kg-Sack heruntergerechnet werden kann.

Das Geschäft mit der Sklavenkohle

Im Jahr 2023 exportierte Kuba Holzkohle im Wert von 61,8 Millionen US-Dollar – das sechstgrößte Exportprodukt des Landes. Der durchschnittliche Exportpreis lag bei rund 500 Dollar pro Tonne, während die Endkundenpreise in Europa etwa 1.300 bis 1.500 Euro pro Tonne betragen. Der Bericht schätzt, dass die Gesamtmarge 99,96 % beträgt – Gewinne, die zwischen der kubanischen Regierung und europäischen Händlern aufgeteilt werden.

Besonders brisant: Viele dieser Produkte werden in Europa als „ökologisch“ oder „nachhaltig“ beworben. Dabei stammen sie aus staatlich kontrollierten Produktionsstätten, in denen Zwangsarbeit, Misshandlung und Folter dokumentiert wurden.

Europas blinder Fleck

Trotz der offensichtlichen Verstöße gegen Menschenrechte und internationale Arbeitsnormen (ILO-Konventionen 29 und 105) gelangt kubanische Holzkohle weiterhin auf den europäischen Markt. Laut Prisoners Defenders sind Dutzende Importeure und Händler namentlich bekannt – von Spanien bis zur Türkei.

Der Bericht fordert die EU auf, den Import dieser Holzkohle zu stoppen, da sie gegen europäisches und internationales Recht verstößt. Die Organisation verweist auf Artikel 5.2 der Charta der Grundrechte der EU und Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention, die Zwangsarbeit ausdrücklich verbieten.

Kohle mit Blutpreis

Während europäische Konsumenten im Sommer ihre Grills anheizen, arbeiten in Kuba Gefangene unter Zwang, um die Nachfrage zu bedienen. Der Bericht beschreibt die Kohlearbeit als die „schlimmste aller Zwangsarbeiten“ – wegen der gesundheitlichen Risiken, der Isolation und der völligen Rechtlosigkeit der Arbeiter.

„Die Kohlearbeit ist die schlimmste aller Zwangsarbeiten, nicht nur wegen der schlechten Lebensbedingungen, sondern auch wegen des Mangels an Arbeitsgeräten“, zitiert der Bericht einen politischen Gefangenen.

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